16.04.2026 18:00 - 20:00

Europa, ein konfuzianisches Paradies mit Wein und Moral: Anmerkungen zu Giulio Aleni’s Zhifang waiji (1623)

Vortrag von Prof. Dr. Roderich Ptak

Am 16. April 2026 veranstaltete das Konfuzius-Institut Nürnberg–Erlangen einen Vortrag mit dem Titel „Europa, ein konfuzianisches Paradies mit Wein und Moral: Anmerkungen zu Giulio Aleni’s Zhifang waiji (1623)“. Als Referent war der Sinologe Prof. Dr. Roderich Ptak eingeladen. Im Mittelpunkt standen der Jesuit Giulio Aleni und sein Werk Zhifang waiji („Aufzeichnungen über die Länder außerhalb Chinas“), das einen Einblick in den chinesisch-europäischen Austausch des 17. Jahrhunderts bietet.

Prof. Ptak erläuterte, dass das 1623 entstandene Werk weit mehr ist als eine reine Weltbeschreibung. Es verbinde europäische Geographie mit chinesischen Darstellungsformen und entstand in Zusammenarbeit mit chinesischen Gelehrten. Damit stehe es beispielhaft für die gemeinsame Wissensproduktion am Ende der Ming-Zeit.

Ein besonderer Fokus lag auf der Darstellung Europas im Werk. Aleni beschreibt Europa bewusst mit für chinesische Leser verständlichen Kategorien wie Bildung, Ordnung und Moral. Diese Darstellung kann als kulturelle Strategie verstanden werden, um Nähe zu schaffen und den Zugang zu neuen Ideen zu erleichtern.

Auch Themen wie Trinkkultur, Seefahrt und Geographie wurden als wichtige Elemente der Wissensvermittlung hervorgehoben. Handelsorte wie Macau, Manila und Fujian fungierten dabei als zentrale Knotenpunkte des Kulturaustauschs.

Der Vortrag zeigte, dass China im Umgang mit europäischem Wissen nicht nur aufnahm, sondern aktiv an dessen Anpassung und Interpretation beteiligt war. Die Veranstaltung bot den Teilnehmenden einen anschaulichen Einblick in die frühneuzeitliche Globalgeschichte und den Dialog zwischen Kulturen.

Roderich Ptak hat Volkswirtschaft in Guelph (Kanada) studiert (Abschluss: MA) und Sinologie in Heidelberg (Dr. phil.). Dort wurde er auch habilitiert und war als Professor auf Zeit tätig. Es folgten ein Heisenberg-Stipendium, die Professur für Chinesische Sprache und Kultur in Germersheim (zur Universität Mainz gehörend) und 1994 ein Lehrstuhl für Sinologie an der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität. Seit Oktober 2021 ist er im Ruhestand. Er hat Bücher und Aufsätze zur maritimen Geschichte Chinas, zu Macau, zur chinesischen Literatur und zu Tieren in alten chinesischen Texten veröffentlicht. 

Zeit: Donnerstag, 16. April 2026, 18 Uhr
Ort: Konfuzius-Institut Nürnberg-Erlangen, Virchowstraße 23, 90409 Nürnberg
oder ONLINE über MS Teams 

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