30.11.2026 18:00 - 20:00

Josefine Glöckner – Karl Graf von Luxburg an der deutsch-kaiserlichen Gesandtschaft Peking um 1900

Ein Vortrag im Rahmen der Salonreihe im Herbst 2026: 

Josefine Glöckner: Karl Graf von Luxburg an der deutsch-kaiserlichen Gesandtschaft Peking um 1900 und seine Sammelleidenschaft

Karl Graf von Luxburg (1872–1956)
Karl Graf von Luxburg war ein deutscher Gesandter. Während seiner Zeit in China erwarb er zahlreiche ostasiatischer Kunst. Er war in den Jahren 1905 und 1906 sowie von 1909 bis 1912 an der deutsch-kaiserlichen Gesandtschaft in Peking tätig.

Die Zeit nach der Jahrhundertwende war in Peking stark von den Folgen des Boxeraufstands (1900–1901) geprägt. In diesem historisch sensiblen Umfeld, in dem auch geraubtes kaiserliches Kulturgut im Umlauf war, erwarb Graf von Luxburg zahlreiche Stücke.

Graf von Luxburg nutzte seine diplomatische Präsenz und seine Reisen, um hochwertige Antiquitäten und Alltagsgegenstände direkt vor Ort auf Märkten – wie der berühmten Hattamén-Straße – und über Händler zu erwerben. Dabei zeichnete er sich durch eine ambivalente Haltung aus: Einerseits vertrat er die koloniale Vormachtpolitik des Deutschen Kaiserreichs, andererseits hegte er tiefen Respekt und ästhetische Bewunderung für die Kunst des spätkaiserlichen Chinas. Zu den Schwerpunkten seiner Sammlung gehörten unter anderem Porzellane, Bronzen, Möbel, Textilien und Lackarbeiten.

Der Weg der Sammlung nach Deutschland
Als Karl Graf von Luxburg Peking Ende 1912 verließ, um eine neue diplomatische Station in Indien anzutreten, ließ er seine gesamte Sammlung dorthin verschiffen. Aufgrund der Wirren des Ersten Weltkriegs lagerten die Stücke bis in die 1920er Jahre in Indien, bevor sie schließlich nach Deutschland transportiert werden konnten.

Er brachte die Exponate auf den Familiensitz der von Luxburgs:  Schloss Aschach bei Bad Kissingen. Dort dienten insbesondere die mitgebrachten Porzellane und Bronzen zur repräsentativen Ausstattung der herrschaftlichen Wohnräume.

Heutiger Verbleib und Erbe
Im Jahr 1955 vermachte Karl Graf von Luxburg das Schloss mitsamt den Kunstschätzen als Schenkung dem Bezirk Unterfranken.

Der Großteil seiner ostasiatischen Objekte bildet heute das Herzstück der vier Ausstellungsräume zur Ostasiatischen Sammlung im Graf-Luxburg-Museum. Ebenso zieren die Stücke zum Teil noch die historischen Wohnräume.

Ein weiterer, kleinerer Teil der Ostasiatika wurde nach dem Tod des Grafen testamentarisch an das renommierte Museum Rietberg in Zürich übergeben.

Josefine Glöckner ist studierte Diplom-Museologin und leitet seit 2018 die Museen Schloss Aschach des Bezirks Unterfranken im unterfränkischen Bad Bocklet. In dieser Funktion zeichnet sie für den gesamten Museumskomplex verantwortlich, welcher neben dem Graf-Luxburg-Museum auch ein Volkskundemuseum sowie ein Schulmuseum umfasst.

Das Graf-Luxburg-Museum besticht durch ein modernes, emotionales Ausstellungskonzept. Die historischen Gemächer wurden so inszeniert, dass Besucher das Gefühl bekommen, „bei der gräflichen Familie von Luxburg zu Gast zu sein“. Neben der Lebenswelt des Adels wird auch der Alltag der Dienstboten (wie Kammerzofen und Küchenmädchen) mittels Soundkulissen und visuellen Effekten gemacht.
Um die Geschichte des Schlosses zeitgemäß zu transportieren, setzt das Haus auf digitale Formate, wie einen Podcast oder das Portal bavarikon.

Zeit: Montag, 30.11.2026, 18 Uhr
Ort: Konfuzius-Institut Nürnberg-Erlangen, Virchowstr. 23, 90409 Nürnberg

Damit schließt unsere Salonreihe im Herbst 2026, die sich Lebenswegen und persönlichen Eindrücken deutschsprachiger Reisender widmete, die vom 19. und 21. Jahrhundert China bereisten oder dort lebten. Beleuchtet wurden persönliche Eindrücke von Reisenden, Gesandten, Missionaren, JournalistInnen und politisch Verfolgten.

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