04.09.2026 18:00 - 11.10.2026 20:00

Artist-in-Residence 2026: Dingyou Zhang

Reading Between — Observation, Misreading, and Spaces of Encounter

Im Rahmen des Artist-Residency-Programms ist dieses Jahr die Künstlerin Dingyou Zhang (*2001) zu Gast. Von Ende Juli bis Anfang September wird der Kunstraum des Konfuzius-Instituts zu ihrem ersten Atelier in Deutschland. Der künstlerische Prozess während des Aufenthalt und die Arbeiten, die dabei entstehen, werden vom 5. September bis zum 11. Oktober dann hier präsentiert werden. Freuen Sie sich mit uns, diese besondere Ausstellung Reading Between am 4. September 2026 um 18 Uhr zu eröffnen.

Was bedeutet es, an einem Ort zu wohnen, der noch nicht Heimat ist? Was bedeutet es zu bauen, wenn der Grund unter den Füßen fremd ist? Diese Fragen leiten Dingyou Zhangs Artist-in-Residence in Nürnberg, in der Distanz nicht als Hindernis, sondern als Bedingung für neue Weisen des Sehens verstanden wird.

Reading Between (zwischen den Zeilen lesen) präsentiert Zhangs fortlaufende Auseinandersetzung mit dem Verhältnis von Beobachtung, Missverstehen und der Konstruktion temporärer Räume der Begegnung. Der Titel selbst verweist auf einen Akt der Aufmerksamkeit – eine Art des Hinsehens, die anerkennt, was unter, zwischen und jenseits der Oberfläche der Dinge liegt. Es ist ein Ansatz, der Unsicherheit umarmt und partielles Verstehen sowie produktives Missverstehen als gestaltende Kräfte von Prozess und Form zulässt.

Zhangs Projekt findet seinen philosophischen Anker in Martin Heideggers Bauen Wohnen Denken (1951), kehrt dessen Struktur jedoch bewusst um. Indem Zhang die Trias als Wohnen, Denken, Bauen neu ordnet, vollführt sie ein Missverstehen, das nicht Irrtum, sondern Methode ist – eine Strategie, um dem Fremden mit Offenheit statt mit Beherrschung zu begegnen. Hier wird Wohnen zur Frage, wie man einen Ort findet, an dem man bleiben kann, fern von zu Hause; Denken wird zum Prozess des Beobachtens, Missverstehens und allmählichen Beziehungsaufbaus zu einer fremden Kultur; und Bauen wird zur Praxis, diese Erfahrungen in eine bildnerische Sprache zu übersetzen.

Während ihres ersten Aufenthalts in Deutschland tritt Zhang sowohl als Beobachterin als auch als Bewohnerin auf. Die Residency entfaltet sich in drei miteinander verbundenen Phasen. Erstens nimmt das Wohnen die Form von Feldnotizen an – Skizzen, Fotografien, gesammelte Materialien und informelle Aufzeichnungen, die alltägliche Begegnungen, räumliche Details und Momente kultureller Verunsicherung festhalten.

Zweitens begreift das Denken Missverstehen als kreative Methode, die es erlaubt, Fragmente aus verschiedenen Kulturen, Erinnerungen und Beobachtungen durch Zeichnung, Collage und Malerei miteinander koexistieren zu lassen – inspiriert von den vielschichtigen Kompositionen der traditionellen chinesischen Bapo-Malerei (八破画).[1]

Drittens transformiert das Bauen diese Experimente in materielle Form, wobei Seidenmalerei, Fundobjekte, Text und skulpturale Installationen Räume der Begegnung konstruieren, die Betrachter*innen einladen, innezuhalten und den fortwährenden Prozess des Wohnens zu erfahren.

Die Arbeiten, die aus dieser Residency hervorgehen, sind keine Abbildungen eines Ortes, sondern Begegnungsorte in sich selbst – temporäre Konstruktionen, in denen Erinnerung, Wahrnehmung und kulturelle Fragmente koexistieren. Zhangs Praxis legt nahe, dass Wohnen nicht etwas ist, das wir entdecken, sondern etwas, das wir kontinuierlich konstruieren – durch Beobachtung, Missverstehen und die geduldige Arbeit des Beziehungsaufbaus über Distanz hinweg. In diesem Sinn wird die Residency sowohl zu einem künstlerischen Prozess als auch zu einer Suche danach, wie man in der Welt wohnen kann – nicht als feststehende Heimat, sondern als Raum des Werdens, der Unsicherheit und der Begegnung.


Die Künstlerresidenz 2026 wird in Zusammenarbeit mit der Central Academy of Fine Arts Beijing (CAFA) und der Stadt Nürnberg realisiert.


Residenzzeitraum: Ende Juli – Anfang September 2026
Vernissage: Freitag, 4. September 2026, 18 Uhr
Ausstellungsdauer: 5. September – 11. Oktober 2026

Art Weekend Nürnberg: 9.-11. Oktober 2026 mit gesonderten Öffnungszeiten.


Ort: Kunstraum des Konfuzius-Instituts
Pirckheimerstr. 36, 90408 Nürnberg

Mi-Sa 13-18 Uhr
www.konfuzius-institut.de

 


[1] Bapo-Malerei 八破画 (Bild der acht zerbrochenen Dinge). Der Name verbindet ba (acht) – eine Glückszahl, die mit Wohlstand assoziiert wird – mit po (zerbrochen oder fragmentiert), was hier eine positive Konnotation trägt. Der Titel spiegelt die Vorstellung wider, dass sich Ganzheit und Erfüllung selbst inmitten einer Ansammlung scheinbar zerbrochener, verschiedenartiger Gegenstände finden lassen.

合作机构