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  • 19.07.2021 19:00 - 20:30 | Nürnberg | Vorträge und Lesungen

    Was trank Konfuzius? – Zur Dialektik des Alkohols (jiu) in Chinas Geistesgeschichte

    Zum ersten Hybrid-Vortrag, der in Präsenz im Konfuzius-Institut stattfand und gleichzeitig online übertragen wurde, hatte das Konfuzius-Institut Nürnberg Erlangen am 19. Juli eingeladen. Zu Gast war Prof. Dr. Peter Kupfer, langjähriger Professor am Arbeitsbereich Chinesische Sprache und Kultur der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, der seit 2002 zur Geschichte der Seidenstraße, insbesondere zur Weinkultur Chinas und Eurasiens forscht.

    Der Vortrag beleuchtete einführend die zentrale Rolle des Alkohols (酒 jiu) in der chinesischen Philosophie und Geistesgeschichte, wobei sich dessen Symbolik auch in der Sprache und Schrift widerspiegelt. Seit Jahrtausenden dominiert Alkohol das spirituell-religiöse und gesellschaftlich-wirtschaftliche Leben im chinesischen Kulturkreis. Während der Shang- und Zhou-Dynastien (16.-3. Jh. v. Chr.) hat sich ein überaus komplexes Opfer- und Trinkzeremoniell entwickelt, das in seiner konfuzianischen Ausprägung ein einzigartiges und bis in die Gegenwart hineinwirkendes Ritualsystem hervorgebracht hat. Bereits lange davor gibt es Zeugnisse für den Austausch der verschiedenen eurasischen Alkoholkulturen. Nach einer Vorstellung der ins 3. Jahrtausend v. Chr. zurückreichenden Schöpfungsmythen, der wichtigsten prähistorischen und antiken alkoholischen Getränke sowie der hochkomplexen 麴 qu-Fermentationstechnologie wurden die von einem neuen Humanismus geprägten konfuzianischen Prinzipien der „Trinktugend“ (酒德 jiude) und der individuellen ethischen Verantwortung beim Alkoholgenuss behandelt. Abschließend warf Prof. Kupfer einen Seitenblick auf die Funktion  des Alkohols im Daoismus als dionysische Antithese zur konfuzianischen Orthodoxie.

    Prof. Dr. Peter Kupfer studierte Sinologie, Malaiologie und allgemeinen Sprachwissenschaft an der Universität Bonn, 1979 folgte die Promotion, 1990 die Habilitation in Sinologie. Von 1980 bis 2012 lehrte er am Arbeitsbereich Chinesische Sprache und Kultur des Fachbereiches Translations-, Sprach- und Kulturwissenschaft (FTSK) der Johannes Gutenberg-Universität Mainz in Germersheim. Bis 2008 war er 1. bzw. 2. Vorsitzender des Fachverbandes Chinesisch e.V. und Vizepräsident der International Society for Chinese Language Teaching. Im Jahr 2000 erhielt er den Freundschaftspreis für Sprache und Kultur der VR China. Seit 2002 forscht er zur Geschichte der Seidenstraße, insbesondere zur Weinkultur Chinas und Eurasiens, seine Recherchen führten ihn dabei in nahezu allen historischen und modernen Weinanbaugebieten Chinas. Von 2008 bis 2014 unternahm er mehrmonatige Forschungsreisen an den zentralasiatischen, chinesischen und iranischen Seidenstraßen.

    Zu seinen neueren Buchpublikationen zur Geschichte der Weinkultur zählen: 
    Bernsteinglanz und Perlen des Schwarzen Drachen – Geschichte der chinesischen Weinkultur. Deutsche Ostasienstudien 26. Gossenberg, 2019

    Ursprünge, Überlieferungen und Entwicklungen der Weinkultur und des Weinbaus in China. Eine Entdeckungsreise durch neun Jahrtausende. Schriften zur Weingeschichte, hg. v. d. Gesellschaft für Geschichte des Weines e.V., Nr. 200, Wiesbaden 2020

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