• 中文
  • 24.07.2019 19:00 - 20:30 | Nürnberg | Ausstellungen

    Chinafrika. under construction – Dialogführung durch die Ausstellung

    Vom 6. Juni bis 27. Juli 2019 zeigte das Konfuzius-Institut Nürnberg-Erlangen im Kunstraum in der Pirckheimerstraße das Kunst- und Recherche-Projekt Chinafrika. under construction, entwickeltvon Jochen Becker (metroZones) mit Daniel Kötter. Die Ausstellung mit Videoinstallationen, Postern, Fotografien und anderen Werken internationaler Künstlerinnen und Künstler begab sich auf eine Spurensuche nach den kulturellen Beziehungen zwischen China und Afrika, die sich als Folge der wirtschaftlichen Verflechtungen herausbilden. Sie entwarf das Porträt eines globalen Prozesses, der nicht zuletzt das Imaginäre von Europa grundlegend verändern wird. 

    Zum Ende der Ausstellung waren am 24. Juli Prof. Dr. Kerstin Pinther (Professorin für Islamische Kunstgeschichte/Kunstgeschichte Afrikas, Ludwig-Maximilians-Universität München) und Jochen Becker (metroZones, Kurator der Ausstellung) zu Gast in Nürnberg. In einer dialogischen Ausstellungsbegehung gaben die beiden Experten den zahlreich erschienenen Besuchern tiefergehende Einblicke in die ausgestellten Kunstwerke, die Hintergründe des Chinafrika-Projekts und die Kunst Afrikas.   

    Kerstin Pinther ist Professorin für die Kunst Afrikas am Kunsthistorischen Institut der Ludwig-Maximilians-Universität München. Von 2010 bis 2014 war sie Juniorprofessorin für afrikanische Kunstgeschichte an der Freien Universität Berlin. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen auf Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts, Designgeschichte im globalen Kontext, Modepraktiken und Architektur in (West- und Nord)Afrika und der Diaspora. Sie ist Initiatorin und Leiterin der internationalen DFG-Forschungsgruppe "Fashion and Styles in African Cities", in der sich ihre eigene Arbeit auf Modedesign und Medien in Lagos, Nigeria, konzentriert. Ein neues Projekt fragt nach der Relevanz von Handwerk für (zeitgenössisches) Design und Kunst in Afrika. Als Kuratorin konzipierte sie Ausstellungen wie "Flow of Forms/ Forms of Flow. Designgeschichten zwischen Afrika und Europa" (mit A. Weigand, Transkript 2018), "Afropolis. Stadt, Medien, Kunst" (mit L. Förster, C. Hanussek, Koenig & Jacana 2010, 2012) und "Black Paris. Kunst und Geschichte einer schwarzen Diaspora" (mit T. Wendl, Peter Hammer, 2006).

    Jochen Becker arbeitet als Kurator, Dozent und Autor in Berlin, Deutschland. Er ist Mitbegründer von metroZones – center for urban affairs.

    Das Chinafrika-Projekt konzentriert sich auf den Kupfergürtel im Norden Sambias und Südosten der DR Kongo als Knotenpunkt für die Extraktion und den Transport von Rohstoffen, sowie auf die Metropolen Lagos (Nigeria), Johannesburg (Südafrika), Addis Abeba (Äthiopien) oder Algier (Algerien). In China steht das Perlflussdelta mit den afrikanischen Handelszentren in Hong Kong, Guangzhou und der vormaligen Freihandelszone in Shenzhen – Partnerstadt der Metropolregion Nürnberg – im Fokus. Hierfür entwickeln afrikanische, chinesische und europäische KünstlerInnen, KuratorInnen und Akteure gemeinsam künstlerische sowie theoretische Positionen – und testen aus, wie sich die in den Bereichen der künstlerischen Praxis und der visuellen Kulturen, des gesellschaftlichen Alltags sowie der Architektur und des Urbanismus vollziehenden Entwicklungen und Phänomene in den Blick nehmen lassen. Chinafrika. under construction entfaltet ein Terrain, das sich über drei Kontinente erstreckt.

    Neben bereits existierenden Arbeiten wurden mehr als zwanzig Neuproduktionen und die Arbeitsergebnisse von vier Chinafrika-Working-Groups erstmalig 2017 in der Galerie für Zeitgenössische Kunst/GfZK Leipzig sowie im Rahmen der Biennale of Urbanism\Architecture Shenzhen gezeigt. Auf Einladung des Konfuzius-Instituts Nürnberg-Erlangen wird die Ausstellung nun in einer von Jochen Becker und Nora Gantert adaptierten Form in Nürnberg präsentiert.

    Mehr als 2 Millionen chinesische Staatsbürger halten sich auf dem afrikanischen Kontinent auf. Die chinesische Regierung forciert Rohstoffgewinnung vor allem auf dem afrikanischen Kontinent, um in der „Fabrik der Welt“ im Perlflussdelta sowie anderen Orten Chinas günstige Produkte für den Weltmarkt herzustellen. Die Smartphones in unseren Taschen sind Ergebnis jener „chinafrikanischen“ Produktionskette. Weniger bekannt ist, dass umgekehrt ca. 100.000 afrikanische Staatsbürger sich als Händler, Dienstleister, Staatsbedienstete oder Studierende in China aufhalten. „Chinafrika“ ist also keine Einbahnstraße.

    Globalisierung wird oft verstanden als eine Handelsbeziehung, eine politische Macht sowie eine kulturelle Beziehung vorrangig zwischen dem Westen und dem Globalen Süden. Diese Verhältnisse verändern sich jedoch. Das vormalig kolonisierte „Entwicklungsland“ China baut nicht nur massiv Ressourcen auf dem gesamten afrikanischen Kontinent ab, sondern investiert dort zugleich in die Infrastruktur wie den Bau von Straßen und Eisenbahnlinien. Auf der anderen Seite finden afrikanische „Kofferhändler“ gute Bedingungen für einen Markteintritt in China. Diese „Globalisierung von unten“ (Gordon Mathews) ist Motor eines globalen Prozesses.

    Nähere Informationen über das Projekt findet Sie unter www.chinafrika.org

    Mit Arbeiten von Sammy Baloji, Bodil Furu, Gerda Heck/Christian Hanussek, Louis Henderson, Ho Rui An, Huang Xiaopeng, Taiye Idahor, Daniel Kötter, Li Xiaofei, Lu Shan, Michael MacGarry, MAP Office, Elke Marhöfer/Mikhail Lylov, Adam James Smith/Song Ting/Wang Qihan, Stary Mwaba, Joseph Wright of Derby.

    Das Projekt ist vom TURN-Fonds der Kulturstiftung des Bundes gefördert. Chinafrika. under construction ist eine Produktion von metroZones. In Koproduktion mit der Galerie für Zeitgenössische Kunst Leipzig, Kunstfest Weimar, steirischer herbst Graz, Goethe-Institut Nigeria und Kunstraum des Konfuzius-Instituts Nürnberg-Erlangen. In Kooperation mit Centre d'art WAZA Lubumbashi, Culture Advocates Caucus Lagos, Things that can happen Hong Kong, Goethe-Institut Algier. Leitung der Arbeitsgruppen: Huang Xiaopeng (Guangzhou), Michael MacGarry (Johannesburg), Patrick Mudekereza (Lubumbashi), Folakunle Oshun (Lagos)

    In Kooperation mit chinafrika. under construction und metroZones, mit freundlicher Unterstützung von Hüttinger Interactive Exhibitions


    PROGRAMM:

    Laufzeit der Ausstellung: 6. Juni - 27. Juli 2019, mittwochs bis samstags 13 - 18 Uhr

    Sa, 29. Juni, 16 Uhr: Führung mit Nora Gantert (Kunstbereichsleiterin Konfuzius-Institut)

    Mi, 10. Juli, 16 Uhr: Führung mit Nora Gantert (Kunstbereichsleiterin Konfuzius-Institut)

    Mi, 24. Juli, 19 Uhr: Dialogische Ausstellungsbegehung 
    mit Prof. Dr. Kerstin Pinther (Institut für Kunstgeschichte, Ludwig-Maximilians-Universität München) und Jochen Becker (metroZones, Kurator der Ausstellung) 

    Ort: Kunstraum des Konfuzius-Instituts, Pirckheimerstraße 36, 90408 Nürnberg

    Eintritt: frei

    Ausstellungsflyer

    Werkliste

     

    Gefördert durch: