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  • 10.06.2015 19:30 - 00:00 | Vorträge und Lesungen | Nürnberg

    Wie bewältige ich meine Zukunft? – Vorstellungen dazu im traditionellen und modernen China

    In Kooperation mit dem Konfuzius-Institut Nürnberg-Erlangen fand in der Evangelischen Stadtakademie Nürnberg am 10. Juni 2015 ein Vortrag über die Zukunftsvorhersage in China statt. Der Vortragstitel von Prof. Dr. Michael Lackner, Direktor des Internationalen Kollegs für Geisteswissenschaftliche ForschungSchicksal, Freiheit und Prognose. Bewältigungsstrategien in Ostasien und Europalautete: „Schicksal, Freiheit, Prognose – Vorstellungen zur Zukunftsbewältigung im traditionellen und modernen China".

    Während die Menschheit schon immer davon träumte, die Zukunft vorhersagen zu können, haben sich die Techniken der Vorhersage mit der Zeit geändert. Bediente man sich früher hauptsächlich der Astrologie oder anderer magischer Praktiken, wird heutzutage die auf moderne wissenschaftliche (vorrangig auf Wahrscheinlichkeitsrechnung) Parameter gestützte Prognostik immer beliebter. Besonders in Ländern wie China, in denen archaische und moderne Lebens- und Denkweisen offen nebeneinander existieren, sind alte wie auch moderne Vorhersagemethoden gleichermaßen gebräuchlich.

    Zum Einstieg gab Prof. Lackner einen kurzen Überblick über verschiedene Möglichkeiten der Divination in China: angefangen bei Orakelinschriften auf Schildkrötenpanzern in der Shang-Dynastie (13. Jhd. v. Chr.), über Almanache, die die Auswahl günstiger Tage für bestimmte Tätigkeiten erleichtern sollen, Physiognomik, Handlesekunst und das mittlerweile auch im Westen sehr beliebte Fengshui, bis hin zum „Spirit Writing" gibt es zahlreiche verschiedene Methoden.

    Während das Wahrsagen zu Anfang des 20. Jahrhunderts offiziell noch verpönt war, lässt sich in den letzten Jahren ein Trend zur Rückbesinnung auf alte Traditionen erkennen, in dessen Zuge auch die Wahrsagerei wieder auflebt. Seit den 1990er Jahren ist in China ein Boom volkstümlicher Bücher zum Thema Zukunftsvorhersage zu beobachten. Das bekannteste Werk und eines der ältesten der klassischen chinesischen Texte ist „Das Buch der Wandlungen", das Yijing (I Ging), eine Sammlung von Orakelsprüchen zur Deutung der Zukunft.

    Mit einem Bündel Wahrsagestäbchen und dem zugehörigen Deutungsbuch konnten die Zuhörer selbst in die Welt der Divination eintauchen. Eine Fragerunde, bei der es vor allem um die Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen weltlichen Vorhersagemethoden und religiösen Geschichten und deren Wirkung auf die Menschen ging, rundete den Abend ab.

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