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  • Delegationsreise 2018 "Duales Bildungssystem"

    Vom 23. Mai bis 2. Juni 2018 fand die vierte vom Konfuzius-Institut Nürnberg-Erlangen organisierte Schulleiterreise nach China statt. Der Fokus der Reise lag dieses Mal auf dem Dualen Bildungssystem.

    Laut der Deutsch-Chinesischen Wirtschaftsvereinigung sind derzeit über 600 Unternehmen der Metropolregion Nürnberg im China-Geschäft tätig. Aufgrund der wirtschaftlichen Globalisierung sind die Anforderungen an den Arbeitsmarkt besonders in der beruflichen Bildung sehr hoch. International agierende Betriebe wie Siemens, Huawei oder Metz in China und Deutschland mit geeigneten Auszubildenden zusammenzubringen und diese anschließend als hochqualifizierte Arbeitnehmer weiter zu beschäftigen, kann nur durch den Austausch zwischen Bildungs- und Ausbildungsstätten beider Länder gelingen.

    Nachdem das Konfuzius-Institut Nürnberg-Erlangen in Zusammenarbeit mit der Stadt Nürnberg und der IHK Nürnberg für Mittelfranken in der Vergangenheit bereits zwei Delegationen chinesischer Berufsschulleiter für eine jeweils zweiwöchige Fortbildung nach Nürnberg eingeladen hatte, wollte das Institut nun auch deutschen Experten auf dem Gebiet der Dualen Bildung ermöglichen, sich ein Bild von dem rasend schnell wachsenden Berufsbildungssystem in China zu machen, welches teilweise an das deutsche Modell angelehnt ist.

    Unter der Leitung von Nürnbergs Bürgermeister Dr. Klemens Gsell und dem chinesischen Direktor des Konfuzius-Instituts Nürnberg-Erlangen, Prof. Chen Hangzhu, besuchten die Teilnehmer drei Millionenstädte: die Hauptstadt Peking, Hefei, die Heimat von drei chinesischen Eliteuniversitäten, sowie Foshan im Perlflussdelta, bekannt durch die dort ansässigen Audi-Werke. Auf dem Programm standen unter anderem Besuche bei zahlreichen Berufsschulen und Hochschulen, ein Besuch der Bildungskommission des Pekinger Chaoyang-Bezirks sowie bei Unternehmen in den drei Städten. 

    Die 15-köpfige Delegation bestand neben Mitarbeitern der Stadt Nürnberg und des Konfuzius-Instituts aus Leitern von fünf Nürnberger Berufsschulen sowie dem Berufsschulzentrum Bamberg, der neuen Leiterin des Amts für Berufliche Schulen, Frau Ulrike Horneber, sowie dessen ehemaligem Leiter Herrn Ulrich Ziegentaler. Das Projekt wurde von Dr. Liu Lixin, Gesandter-Botschaftsrat für Bildung und Experte auf dem Gebiet der Berufsausbildung in China, sowie von der Pekinger Fremdsprachenuniversität unterstützt. Neben dem dualen Bildungssystem lag ein starker Fokus der Reise auf dem Thema „Industrie 4.0“ bzw. „China 2025“.

    1. Station: Chaoyang-Bezirk Peking

    Der Chaoyang-Bezirk ist der größte Bezirk Pekings und Sitz der ausländischen Botschaften sowie eines Großteils der ausländischen Unternehmen und Finanzinstitutionen in der chinesischen Hauptstadt. Insgesamt gibt es dort über 500 Ausbildungseinrichtungen, vom Kindergarten zur Hochschule, mit über 230.000 Schülern und Studenten. Die Chaoyang District Commission of Education of Beijing Municipality (CDCEB,北京市朝阳区教育委员会) ist das Bildungsamt des Chaoyang-Bezirks. In Peking besuchte die Delegation zwei Berufsschulen, die direkt von der CDCEB verwaltet werden. Die Beijing Qiushi Berufsschule hat z.B. eine Kooperation im Fachbereich Finanzen und Handel mit einer der größten chinesischen Banken, ICBC. Dieser Fachbereich hat eine Leuchtturmfunktion für ganz Peking und damit für China. Die Kooperation mit ICBC zeichnet sich z.B. dadurch aus, dass die Schule der Bank Räume zur Verfügung stellt, um dort eine Filiale einzurichten. Diese wird größtenteils von Berufsschülern betrieben. Dieses Prinzip, Unternehmen in die Schulen zu bringen, etabliert sich in China immer mehr.

    2. Station: Hefei, Provinz Anhui

    In Hefei konnte Herr Dr. Gsell gemeinsam mit Song Guoquan, Parteisekretär der Stadt Hefei und der Provinz Anhui, Frau Ling Yun, Oberbürgermeisterin der Stadt Hefei, sowie Prof. Peng Long, Präsident der Pekinger Fremdsprachenuniversität, feierlich das neue Zentrum für Deutschlandstudien der Pekinger Fremdsprachenuniversität eröffnen. Nach der Feier fand ein Forum zum Thema Berufliche Bildung statt, gefolgt von einer Besichtigung der neuen Fertigungshalle für Elektroautos von Jac Motors, sowie der chinesischen Niederlassung der Fürther Firma Kurz in Hefei und einem Besuch der Berufsschule für Handel und Tourismus Hefei. In der von der Delegation besichtigten Fertigungshalle bei Jac Motors werden zwei verschiedene Serien von Elektroautos produziert: eine Serie in Kooperation mit Shanghai Volkswagen und eine Serie in Kooperation mit der jungen Internetfirma NIO. Hinter NIO steht der chinesische Milliardär William Li, aber auch der chinesische Smartphone-Hersteller Xiaomi. Der Delegation wurde der neue Elektro-SUV ES8 vorgeführt. NIO wird als starker Konkurrent von Tesla gehandelt.

    Die Firma Kurz, ein weltweit führendes Unternehmen im Bereich der Heißpräge- und Beschichtungstechnologie, bot der Delegation interessante Einblicke in die Chancen und Herausforderungen eines Hidden Champions der Metropolregion in Asien. Die Wahl fiel auf Hefei, als nach einem weiteren Standort der Firma in China gesucht wurde. Denn Hefei stellte der Firma 150.000 m2 Land in einer ihrer Entwicklungszonen zur Verfügung, mit besseren Konditionen als die begehrten Regionen Beijing/Tianjin, Perlfluss- oder Yangtze-Delta bieten konnten. Zudem liegt Hefei in der Mitte dieser drei Boom-Regionen und daher sehr verkehrsgünstig. Doch eine der größten Herausforderungen ist auch in China die Suche nach Fachpersonal. Vom Facharbeiter bis zum Ingenieur bleiben Stellen teilweise bis zu einem halben Jahr unbesetzt. Mit der Entsendung von chinesischen Auszubildenden nach Deutschland hat Kurz weniger gute Erfahrungen gemacht. Hauptsächlich muss die Ausbildung in China vor Ort stattfinden.

    Auch der Besuch der Universität Hefei war sehr interessant, da der Delegation dort Chinas erster dualer Studiengang, eine Kooperation zwischen der Universität Hefei und Continental, vorgestellt wurde. Eine andere Hochschule, die HTC Hefei (合肥职业技术学院), führte die Delegation durch ihren Tech-Inkubator. Ähnlich wie der Nürnberger Zollhof wird hier neue Technologie entwickelt und es werden Startups gegründet. Die Mitarbeiter sind stark global vernetzt und das Zentrum könnte in dieser Form genauso in Boston oder Berlin stehen.   

    3. Station: Foshan, Provinz Guangdong

    Foshan liegt im boomenden Perflussdelta und grenzt an Guangzhou. Die Stadt mit 7,66 Mio. Einwohnern ist ein Zentrum der Leichtindustrie und bekannt für die Produktion von Klimaanlagen, Kühlschränken und – wie Nürnberg auch – von Spielzeug. Als Mitglied der Internationalen Allianz der Industriestädte war bereits im April dieses Jahres eine Delegation aus Foshan in Nürnberg, unter anderem, um Gespräche mit Nürnbergs Wirtschaftsreferenten Dr. Fraas zu führen. Auch in Foshan wurde die Delegation von Vizebürgermeisterin Yu Jin, vom Leiter des städtischen Bildungsamts und vielen weiteren empfangen, wie z. B. von der Bezirksleiterin von Shunde. In diesem Stadtbezirk liegen viele der größten Firmen von Foshan, so auch Midea, die das Augsburger Unternehmen Kuka übernommen hat. Midea war eine der Stationen der Delegation, besonders auch das Midea College, in welchem die betriebsinterne Aus- und Weiterbildung stattfindet. Zudem wurden auch hier Berufsschulen besucht: die Huacai Berufsschule und die Shunde Polytechnische Berufsschule. Von chinesischer Seite wurde ein starkes Interesse an einer Zusammenarbeit mit einer oder mehreren deutschen Berufsschulen und/oder Betrieben signalisiert, um ein gemeinsames Curriculum auszuarbeiten.

    Die Berufsbildungssysteme beider Länder haben sich bereits sehr angenähert, doch einige Unterschiede bleiben bestehen, unter anderem bedingt durch unterschiedliche Ressourcen, Bedarf und Bedingungen. Das chinesische System ist z.B. sequenzieller als das deutsche. Die Berufsschule wird eher vorgelagert mit 2 oder 2,5 Jahren und erst die letzte Ausbildungsphase findet im Betrieb statt, mit dem Ziel, dass aus dieser Beschäftigungsphase ein festes Beschäftigungsverhältnis entsteht. In der Berufsoberschule in China verhält es sich ähnlich, mit dem Unterschied, dass hier keine klare Trennung zwischen Abitur und Hochschulphase besteht, sondern ein integriertes Modell mit insgesamt 3 plus 2 Jahren.

    Die Reise bot für beiden Seiten sehr interessante Einblicke und zahlreiche Gelegenheiten zum gedanklichen Austausch und zu möglichen Kooperationen.

    Delegationsreise 2017 "Auf der alten Seidenstraße"

    Anlässlich der Initiative „One Belt, One Road“, auch bekannt als „Neue Seidenstraße-Initiative“, ein Projekt mit dem die chinesische Regierung seit 2013 den Aufbau eines interkontinentalen Infrastruktur-Netzes zwischen Europa, Afrika und Asien vorantreibt, begab sich die diesjährige Delegationsreise des Konfuzius-Instituts Nürnberg-Erlangen vom 2. bis 12. Juni 2017 auf die Spuren der alten Handelsrouten, auf welchen über Jahrhunderte hinweg Güter und Ideen zwischen Ost und West ausgetauscht wurden.

    Dies ist nach den Reisen in den Jahren 2009, 2011 und 2014 bereits die vierte Delegationsreise des Instituts nach China. Die Reise 2017 steht unter einem aktuellen und politisch hochbrisanten Motto. Denn „One Belt, One Road“ zählt im Moment zu einem der ambitioniertesten und größten Projekte der chinesischen Regierung. Dass Verantwortliche aus der Metropolregion Nürnberg aus den Bereichen Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Kultur sich vor Ort selbst ein Bild machen und in Dialog mit chinesischen Entscheidungsträgern treten konnten, macht ein sonst abstraktes Großprojekt, das die Delegationsmitglieder bisher nur aus Medienberichten kannten, greifbar.   

    Unter der Leitung des Altpräsidenten der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg und Ehrenvorstand des Konfuzius-Instituts Nürnberg-Erlangen, Prof. Dr. Karl-Dieter Grüske, und der Direktorin des Konfuzius-Instituts Frau Dr. Yan Xu-Lackner machten sich 22 hochkarätige Vertreter aus Wirtschaft, Politik, Kultur und Wissenschaft auf die Reise nach China. Die Route entlang der Seidenstraße führte durch die Städte Yinchuan, Jiayuguan, Dunhuang und Ürümqi, wobei die Delegation jeweils von den lokalen Regierungsvertretern herzlich aufgenommen wurde. Der rote Faden der Reise war eine Diskussionsreihe zum Thema „Seidenstraße“, welche an fast jeder der Stationen mit örtlichen Vertretern aus Regierung, Wirtschaft, Kultur und Wissenschaft stattfand.

    Die erste Station war die Hauptstadt der Autonomen Region Ningxias, Yinchuan. Dort besuchten die Reisenden das Museum von Ningxia, um eine Einführung in die Geschichte der Stadt, die Geschichte Nordwest-Chinas und der Seidenstraße zu erhalten. In den folgenden Tagen stand der Besuch von Yinchuans historischen Stätten auf dem Plan, eine Einführung in Yinchuans Industrie 4.0, Gespräche mit der Universität vor Ort sowie das erste Diskussionsforum mit lokalen Regierungsvertretern. Ein erstes großes Highlight war sicher der Festempfang, den die Autonome Region Ningxia ­– ähnlich der Ebene eines Bundeslandes in Deutschland – für die Delegation ausrichtete. Zwei ganze Lämmer wurden mit großem Zeremoniell aufgetischt und die Nürnberger erhielten durch die Tanz- und Sangeskünste der Gastgeber einen tiefen Einblick in die Kultur der Region. Mit einer eigenen Gesangseinlage konnte sich die Delegation im Anschluss gleich revanchieren.

    Wie auch Franken für seinen Wein bekannt ist, so ist Ningxia eines der wichtigsten Weinanbaugebiete in China. Beim Besuch von chinesischen Weingütern fühlten sich die Reisenden daher gleich wie zu Hause. Im Rahmen der Besichtigung der Universität von Ningxia fand ein weiteres Diskussionsforum mit der Universitätsleitung statt. Prof. Dr. Grüske sowie der Vizepräsident der Universität von Ningxia, Herr Prof. Xie – der interessanterweise in Frankfurt promoviert wurde – stellten jeweils die eigene Universität vor und es folgte ein Austausch zu Themen wie Sprachausbildung, Fortbildungen für Lehrende und Kooperationsmöglichkeiten. Besonders aufschlussreich waren für die Teilnehmer auch die Ausführungen des Vizekanzlers über den Einfluss der Initiative „One Belt, One Road“ auf die Hochschulentwicklung. Eine Bootsfahrt auf dem Gelben Fluss mit Besichtigung der Hundertacht Pagoden rundete den Aufenthalt in Yinchuan ab.

    Von Yinchuan aus ging es weiter nach Jiayuguan, genauer gesagt an den Jiayu-Pass am westlichen Ende der Chinesischen Mauer, die sich in Gansu imposant entlang der Seidenstraße windet und die die Reisenden schließlich nach Dunhuang führte. In den letzten Jahren hat Dunhuang enge freundschaftliche Beziehungen zu Deutschland entwickelt. Der Vizebürgermeister und Mitglied des ständigen Ausschusses der Stadt Dunhuang, Herr Chen Hao, empfing die Delegation und stellte die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklungen der Stadt vor. Auf dem Plan standen außerdem die Besichtigung der weltberühmten Mogao-Grotten, ein weitverzweigtes Höhlensystem das mit seinen unzähligen buddhistischen Wandmalereien und Statuen eine wahrhafte Schatzkammer des Buddhismus darstellt, sowie der Besuch von Projekten zu erneuerbarer Energie.

    Die letzte Station der Reise war Ürümqi. Während der Himmelssee im Himmelsgebirge fast ein wenig an das Alpenpanorama erinnerte, war der internationale Basar von Ürümqi, einer der größten Basare der Welt, ein orientalisches Gegenstück zu den eher beschaulichen Wochenmärkten in Franken. Zum Abschluss konnten die Delegationsteilnehmer noch Gespräche mit Vertretern der Stadt Ürümqi, dem Leiter des dortigen Religionsamts, dem Leiter des Autonomen Gebiets Xinjiang, sowie Vertretern der Universität Xinjiang und der Xinjiang Normal University führen. Sie erfuhren interessante Fakten, wie die Tatsache, dass es allein in Ürümqi acht Unternehmen aus dem Bereich der traditionellen chinesischen Medizin gibt, und dass dort neben der „normalen“ TCM auch die mongolische Medizin, die uigurische Medizin sowie die kasachische Medizin gelehrt werden.

    So ging es also mit vielen neuen Informationen, interessanten Eindrücken aus einem ganz anderen China als es die meisten kennen, und Ideen für zukünftige Kooperationen mit China wieder zurück in die Heimat. Dass gerade Nürnberg das neue Ende der Seidenstraße sei, eröffnete übrigens erst vor kurzem der chinesische Vizepremier Ma Kai dem bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer bei dessen Besuch in Peking. Mit dem Zug von Zentralchina nach Deutschland, Endstation Nürnberg – vielleicht wird diese Vision eines Tages Wirklichkeit.

    Delegationsreise 2014 "Der Chinesische Traum"

    Unter dem Motto "Der Chinesische Traum" bereisten vom 17. bis 27. April 26 hochrangige Vertreter der Bereiche Politik, Wirtschaft, Bildung, Kunst und Medien aus der Metropolregion das Land der Mitte. Die Delegationsleitung übernahmen Frau Dr. Yan Xu-Lackner, deutsche Direktorin des Konfuzius-Instituts Nürnberg-Erlangen, und Dr. Peter Schönlein, Altoberbürgermeister der Stadt Nürnberg und stv. Vorsitzender des Kuratoriums des Konfuzius-Instituts Nürnberg-Erlangen. 

    Die Reise, die von der Gesellschaft für Völkerverständigung der VR China (Youxie) unterstützt wurde, führte von Peking im Norden Chinas in die frühere Kaiserstadt Xi'an in die Mitte des Landes. Von dort ging es weiter nach Nanjing im Südwesten, auf südwestlicher Route weiter nach Hangzhou, um schließlich im Süden die Sonderwirtschaftszone und Partnerstadt Nürnbergs, Shenzhen und das nur durch einen Fluss getrennte Hongkong zu erreichen.

     Der Klärung, ob der "Chinesische Traum" ein ernstzunehmender Gegenentwurf zum "American Dream" konnten die Delegationsreisenden vor Ort ein Stück näher kommen. Dieses viel diskutierte Thema des "Chinesischen Traums", der die Gemeinschaft und die Stabilität im Vordergrund stehen, wurde gleich zu Beginn der Reise bei einem Vortrag Herrn Prof. FENG Xingyuans (Akademie der Wissenschaften, Peking) erörtert.

    In der Zentrale der Konfuzius Institute in Peking (Hanban) konnten sich die Delegationsteilnehmer ein Bild von der weltweiten Entwicklung im Bereich der Verbreitung der chinesischen Sprache und Kultur machen.

    Auch ein Besuch des Goethe-Sprachlernzentrums in Nanjing stand auf dem Programm und führte zu einem regen Austausch. Das "sozialistische" Musterdorf Huaxi in der Provinz Jiangsu regte die Delegationsteilnehmer zum Nachdenken an und hinterließ einen bleibenden Eindruck.

    Zukünftige gemeinsame Kunstprojekte und Formen des Künstleraustauschs wurden bei einem Besuch der Nationalen Kunstakademie in Hangzhou angedacht.

    Die schnelle Entwicklung des Shekou-Industriegebiets in der Sonderwirtschaftszone Shenzhen mit seinen Wolkenkratzern veranschaulichte den "Chinesischen Traum". Ein Treffen mit der bayrischen Repräsentanz in Shenzhen bestätigte die früh begründete und wegweisende Partnerschaft der Stadt Shenzhen mit dem bayrischen Nürnberg. Im Guan Shanyue Kunstmuseum konnten die Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen der westlichen und chinesischen Kunst erörtert werden.

    Abgerundet wurde die Reise durch ein Treffen mit dem YMCA Hongkong, der intensiven Austausch und gute Zusammenarbeit mit dem CVJM Nürnberg pflegt.

    Die Delegation wurde stets herzlich durch die Provinzregierungen der besuchten Städte empfangen und von der Gesellschaft für Völkerverständigung (Youxie) betreut. So konnten viele Ideen für zukünftige Kooperationen entstehen.

    Die Delegationsteilnehmer konnten auf diese Weise vor Ort die Zusammenarbeit der letzten fünf Jahre Revue passieren lassen und der Besuch legte die Grundsteine für neue Projekte in der kulturellen Zusammenarbeit.

    Delegationsreise 2011 "Das konfuzianische Erbe – eine Zukunftsverheißung für China?"

    Vom 28. Oktober bis 06. November besuchten 22 hochrangige Vertreter der Bereiche Bildung, Kunst, Medien, Politik, Verwaltung und Wirtschaft aus der Metropolregion das Land der Mitte unter der Delegationsleitung von Frau Dr. Yan Xu-Lackner, deutsche Direktorin des Konfuzius-Instituts Nürnberg-Erlangen, und Dr. Peter Schönlein, Altoberbürgermeister Nürnbergs und stv. Vorsitzender des Kuratoriums des Konfuzius-Instituts Nürnberg-Erlangen.

    Die Reise, die auf chinesischer Seite von der Gesellschaft des Chinesischen Volkes für Freundschaft mit dem Ausland (CPAFFC) organisiert wurde, führte von Shanghai am Ostchinesischen Meer Richtung Norden nach Jinan, Hauptstadt der Provinz Shandong. Auf den mehrtätigen Aufenthalt in der Partnerprovinz des Bundeslandes Bayern, die in Größe und Bevölkerungszahl Deutschland sehr ähnelt, folgten Zwischenstopps in Tai'an am Fuße des Bergs Tai, einem der Fünf Heiligen Berge Chinas, Qufu, der Heimat des Konfuzius, Jining und der ehemaligen deutschen Kolonie Qingdao. Den Abschluss bildeten Besuche in der Hauptstadt Peking.

    Schon in Shanghai und Jinan, den ersten beiden Stationen, hatten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer Gelegenheit, sich mit Vertretern von Stadt- und Provinzregierung sowie verschiedener Institutionen auszutauschen. So luden beispielsweise Herr Wang Xiaoshu, Vizepräsident des ständigen Ausschusses der Gesellschaft des Chinesischen Volkes für Freundschaft mit dem Ausland der Stadt Shanghai (SPAFFC), zum Gespräch wie auch Herr Prof. Wang Naijing, stv. Vorsitzender der Politischen Konsultativkonferenz des Chinesischen Volkes (PKKCV) der Provinz Shandong. Da sich die chinesische Seite sehr offen für eine Zusammenarbeit zeigte, wurden auf Treffen wie diesen viele neue Ideen geboren und frühere konkretisiert, darunter etwa neue Programme des Jugendaustauschs und der Jugendarbeit, Teilnahmen am internationalen Frauenforum Jinan sowie Kunstausstellungen und Künstlerbesuche.

    Die Reise hatte den Titel "Das konfuzianische Erbe – eine Zukunftsverheißung für China?", eine Frage, die die Delegationsmitglieder nach ebenso intensiven wie informativen Besuchen der Universität Shandong und der Konfuzius-Nationalakademie sowie Konfuzius' Geburtshaus und Grabstätte mit Gelehrten diskutieren konnten. Die Renaissance der konfuzianischen Lehre und des Konfuzianismus ist als ein Teil des Rekulturalisierungsprozesses in China, der in den 90er Jahren begann, zu betrachten. Gerade deshalb war die Gelegenheit für das Konfuzius-Institut besonders günstig, Fachleuten die Frage zu stellen, wie die Volksrepublik mit dem Konfuzianismus umgeht. Über die angeregten Diskussionen hinaus entstand schließlich die Idee, die Zusammenarbeit zwischen unserem Institut und der Nationalakademie zu verstärken.

    Das Programm in Peking, der letzten Station vor der Rückreise, beinhaltete, neben einem Besuch des Chinesischen Nationalmuseums, in dem eine deutsche Ausstellung über die Aufklärung besichtigt wurde, weitere Arbeitsgespräche in der Zentrale der Gesellschaft des Chinesischen Volkes für Freundschaft mit dem Ausland (BPAFFC). Die Zusammenarbeit mit der Dachorganisation, mit der das Konfuzius-Institut in den letzten Jahren erfolgreich vielseitige Projekte umgesetzt hatte, konnte so bestätigt und erweitert werden.

    Delegationsreise 2009 "Peking nach den olympischen Spielen"

    Das Konfuzius-Institut Nürnberg-Erlangen organisierte vom 8. bis 16. April 2009, zusammen mit der Deutschen Olympischen Gesellschaft Mittelfranken(DOG), eine Delegationsreise mit dem Thema "Peking nach den olympischen Spielen". Die Idee zu dieser Fahrt wurde bei der Olympia-Matinee im Juli 2008 geboren, bei welcher der stellvertretende Vorsitzende des Olympischen Komitees, Herr Da Xu und Abteilungsleiter Herr Zhicheng Yang, sowie Generalkonsul Huiqun Yang zugegen waren. Neben dem Altoberbürgermeister der Stadt Nürnberg und Vorsitzenden der DOG Mittelfranken, Herrn Dr. Peter Schönlein und Frau Dr. Yan Xu-Lackner, Leiterin des Konfuzius-Instituts Nürnberg-Erlangen nahmen außerdem 23 Delegationsmitglieder, darunter hochrangige Repräsentanten der regionalen Politik und Kultur Nürnbergs, an dieser Reise teil.

    In Peking angekommen, empfing die Nationale Gesellschaft zur Völkerverständigung der Volksrepublik China, die die Organisation der Reise vor Ort übernahm, die Delegationsmitglieder aus Nürnberg mit einem Willkommensbankett. Die deutsche Delegation besichtigte am nächsten Tag "Vogelnest" und traf Herrn Da Xu und Herrn Zhicheng Yang vom Olympischen Komitee zu einem Erfahrungsaustausch über die rückblickende Bewertung der Olympischen Spiele aus chinesischer Sicht.

    Am darauffolgenden Tag stand ein Meeting mit der Vizebürgermeisterin des Stadtbezirks Changping an. Der 30km nördlich von Peking liegende Bezirk Changping ist nicht nur Kooperationspartner der Stadt Nürnberg, sondern war auch ein Austragungsort der olympischen Spiele 2008. Seit 2006 steht der Bezirk in enger Zusammenarbeit mit der IHK Nürnberg. Hierbei wurde vereinbart, sich im wirtschaftlichen, industriellen als auch touristischen Sektor gegenseitig zu unterstützen.

    Während des einwöchigen Aufenthalts standen außerdem ausgewählte touristische Aktivitäten, wie etwa ein Besuch des Sommerpalasts, des Konfuzius-Tempels, des Platz des himmlischen Friedens, der verbotenen Stadt, als auch der Peking-Oper auf dem Programm.

    Ein weiteres Highlight der Reise bildete der Besuch der Beijing Foreign Studies University, eine der Partneruniversitäten der FAU Erlangen-Nürnberg. Altoberbürgermeister und Vorsitzender der DOG, Herr Dr. Schönlein, hielt bei dieser Gelegenheit einen Vortrag vor den Professoren und den mehr als 200 Deutsch-Studenten, mit dem Thema: "Nürnberg – Geschichte einer europäischen Stadt in 10 Bildern". Die anwesenden Deutsch-Studenten lauschten gespannt den Ausführungen des Altoberbürgermeisters, stellten interessiert Fragen und schafften es, die Anwesenden, inkl. Herrn Dr. Schönlein mit der einen oder anderen Frage zum Schmunzeln zu bringen.

    Den Abschluss der Reise bildete ein Besuch der Pekinger Zentrale der weltweiten Konfuzius-Institute, mit einem Vortrag des Vizepräsidenten. Dabei wurde deutlich, woher die Idee des Konfuzius-Instituts stammte, wie die zukünftige Entwicklung aussehen wird und welchen Beitrag die Konfuzius-Institute zur Unterstützung der Kulturpolitik Chinas leisten. Nach einer Woche kultureller Begegnung und Reflexion der Wirkung der olympischen Spiele in China trat die 25-köpfige Delegation am 16. April die Heimreise an.

    Als Fazit lässt sich abschließend sagen, dass die Reise nicht nur für die Teilnehmer eine kulturelle Bereicherung war, sondern auch für das Konfuzius-Institut Nürnberg-Erlangen und die deutsch-chinesische Partnerschaft eine bedeutende Rolle gespielt hat. Signifikant ist jedenfalls, dass China nicht nur wirtschaftlich, sondern auch im Bereich der kulturellen Begegnung auf dem Vormarsch ist.

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