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  • 12.08.2017 18:00 - 13.08.2017 21:00 | Nürnberg | Konzerte | Vorträge und Lesungen | Workshops

    „Grenzenlose Kultur“ – Franken trifft China

    Ein ganzes Wochenende im Zeichen von China, im Besonderen von Nürnbergs Partnerstadt Shenzhen, bot das 13. Internationale Fest der Partnerstädte „grenzenlos“ am 12. und 13. August 2017 im Nürnberger Tucherschloss. Bereits seit 2003 veranstalten das Museum Tucherschloss und das Amt für Internationale Beziehungen jährlich gemeinsam ein internationales Fest, um Nürnbergs Partnerstädte vorzustellen. In diesem Jahr stand anlässlich des 20-jährigen Jubiläums der Regionalpartnerschaft Nürnberg-Shenzhen die chinesische „Schwesterstadt“ im Fokus.

    Die Millionenmetropole Shenzhen gilt als Chinas Boomtown, ist sie doch eine der am schnellsten wachsenden Städte der Welt. Aus einem kleinen Fischerort im Schatten von Hongkong wuchs innerhalb von knapp drei Jahrzehnten in atemberaubender Geschwindigkeit eine wohlhabende Wirtschaftsmetropole mit heute rund 15 Millionen Einwohnern. Standen beim Abschluss der Regionalpartnerschaft mit Shenzhen im Jahr 1997 zunächst wirtschaftliche und technische Aspekte im Vordergrund, so spielt mittlerweile auch der kulturelle Austausch auf beiden Seiten eine große Rolle. 

    Grund genug, den Bürgern aus der Metropolregion Nürnberg Shenzhen und die chinesische Kultur einmal genauer vorzustellen. Dafür hatte das Amt für Internationale Beziehungen gemeinsam mit den Museen der Stadt Nürnberg und mit Unterstützung des Konfuzius-Instituts Nürnberg-Erlangen, des Europa-Büros der Stadt Shenzhen und des Partnerschaftsvereins Nürnberg-Shenzhen ein abwechslungsreiches und breitgefächertes Programm auf die Beine gestellt.

    Los ging es am Samstagabend mit der offiziellen Eröffnung durch den Nürnberger Stadtrat Dr. Ulrich Blaschke zusammen mit den Vertretern den Stadt Shenzhen, der Kulturreferentin Frau Chai Fengchun und der stellvertretenden Leiterin der Abteilung für Kulturaustausch und –kooperation, Frau Zhu Zhen. Ins Musikprogramm startete die junge Nürnberger Band „CaFete“ mit Akustik-Pop, bevor das erste große Highlight des Festivals anstand: Die chinesische Theatergruppe „Zhuo Peili Cantonese Opera Studio“, direkt eingeflogen vom Edinburgh-Festival, stellten in ihren bunten traditionellen Kostümen Szenen aus Shakespeares Macbeth nach, allerdings abgewandelt im Stil der typischen chinesischen Kanton-Oper – ein musikalisches und optisches Erlebnis für alle Gäste, die sich auch vom regnerischen und kalten Wetter nicht abschrecken ließen. Der krönende Abschluss des Abends war aber der Auftritt der charismatischen Sängerin Fifi Rong als Beitrag des Konfuzius-Instituts zum Festival. Die in London lebende chinesischstämmige Singer-Songwriterin und Produzentin Fifi Rong begeisterte das Publikum mit ihrer emotionalen Stimme, träumerischen Klängen und treibenden Beats, in denen sie so unterschiedliche Genres wie Electronica, Pop, Dub, Hip Hop und Jazz vereint. Zwischen den einzelnen Stücken erzählte die Sängerin auch ein wenig von ihrer Jugendzeit, die sie in Shenzhen verbrachte und die ihr Leben und ihre Musik stark geprägt haben. Visuell untermalt wurde die musikalische Performance durch stimmungsvolle Projektionen.

    Am Sonntag meinte es der Wettergott besser und schenkte den zahlreich erschienen Besuchern strahlenden Sonnenschein. Im lauschigen Garten des Tucherschlosses konnten sich die Gäste zwischen den einzelnen Programmpunkten mit fränkischen und chinesischen Spezialitäten stärken und das Flair genießen – denn nicht jedes Wochenende bekommt man Drachen, bunt bestickte Seidengewänder, faszinierende Schriftzeichen und teilweise durchaus exotische Klänge geboten. Neben dem Programm, das an beiden Festival-Tagen angeboten wurde – wie eine Fotoausstellung der Künstlers Bernd Telle über das sich in rasanten Tempo entwickelnde Shenzhen, einer Roll-up-Fotoausstellung „20 Jahre Regionalpartnerschaft Shenzhen“, Filmvorführungen über Shenzhen, einem Foto-Loop über China sowie Schlossführungen mit „Katharina Tucher“ – hielt natürlich auch der Sonntag viele Highlights parat. Eine kleine Drachenparade vom Hauptmarkt zum Tucherschloss endete mit einem Drachentanz auf der dortigen Schlossbühne: Ein Spaß für Groß und Klein, der zahlreiche Schaulustige anzog, die auch ein wenig Glück erhaschen wollten ­– in China ist der Drache nämlich ein Glückssymbol. Nach den Drachen waren die Damen des ersten Qipao-Vereins in Deutschland an der Reihe, die in einer Modenschau exquisite bestickte chinesische Trachten vorführten und großen Beifall ernteten. Die Besucher konnten am Nachmittag weiterhin Vorträge zu verschiedenen Themen, eine chinesische Glückswerkstatt für Kinder sowie einen Sprachkurs besuchen. Auch beim Kalligraphie-Workshop des Konfuzius-Instituts herrschte großer Andrang: Hier konnten die Festivalgäste die Welt der faszinierenden chinesischen Schriftzeichen kennenlernen und ihre selbstgemachten Kunstwerke mit nach Hause nehmen. „Hallo, ich heiße Groß Reich-Gutaussehend“ hieß es dann im Bildervortrag der Programmleiterin des Konfuzius-Instituts Katharina Steiger. Sie nahm die Zuhörer mit auf einen spannenden Streifzug durch die geistesgeschichtlichen Hintergründe der chinesischen Namensgebung und zeigte unter anderem welch lustige Übersetzungen es von deutschen Firmen- und Markennamen im Chinesischen gibt: der chinesische Name von Coca-Cola, 可口可乐, lässt sich beispielsweise mit „schmackhaft und macht froh“ übersetzen.

    Auch die Musik kam natürlich am Sonntag nicht zu kurz: Als fränkische Vertreter traten das „Bekki Deckart Quintett“ und das Nürnberger Quartett Lukas Diller auf. Ganz andere Klänge boten die Musiker von „Shenzhen Guzheng“ mit traditionellen Instrumenten wie der Guzheng und der Erhu und einem zauberhaften Auftritt eines chinesischen Kinderchors. Traditionelles Liedgut aus China und Deutschland und bekannte Opernarien trugen die Sopranistin Hanyu Goa und der Bariton Nan Jiang vor. Die Musiker von „Prims Studio“ begeisterten die Zuschauer dann mit einer Fusion von chinesischen und westlichen Musikstilen und Instrumenten. Mit einer zweiten Performance von Fifi Rong fand das „grenzenlos“-Fest unter viel Applaus einen würdigen Abschluss.

    Insgesamt ließen sich an den beiden Festival-Tage sage und schreibe 5.150 Besucher von der chinesischen Kultur faszinieren, die großes Interesse an den Tag legten und sich (hoffentlich) vom „China-Fieber“ infizieren ließen.  

     

    Flyer Fifi Rong
    Flyer „grenzenlos“ 2017 mit näheren Informationen zum Fest
    PROGRAMM "grenzenlos" 2017

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