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  • 22.05.2017 18:30 - 20:00 | Nürnberg | Vorträge und Lesungen

    Regulieren statt Manipulieren – die Stärke der TCM

    Die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) ist eine jahrtausendealte Heilkunde, die auf einer ganzheitlichen Herangehensweise beruht und sich auch in Deutschland immer größerer Beliebtheit als Alternative zu herkömmlichen westlichen Therapiemethoden erfreut. In seinem Vortrag am Montag, den 22. Mai 2017, gab der regional ansässige TCM-Experte Dr. Wenjun Zhong einen Überblick über die Entwicklungsgeschichte der TCM und erläutert sowohl die Philosophie und theoretischen Grundlagen, auf die sich die chinesischen Heilkunde stützt, als auch die verschiedenen therapeutischen Methoden, die die TCM bietet.

    Dr. Zhong, seines Zeichens Diplom-Geoökologe und Geschäftsführer der HerbaSinica Hilsdorf GmbH in Rednitzhembach, einer der führenden Anbieter chinesischer Heilkräuter in Deutschland, begann mit einem kleinen Einblick in die Geschichte der TCM, deren Ursprung über 5.000 Jahre zurückliegt. Als eines der ersten schriftlichen Werke nannte er das „Shi Jing“《诗经》, eine Sammlung von 305 Gedichten aus der Zeit von 1.000 bis 500 v. Chr., in der ca. 100 Drogen erwähnt sind. Der Begriff „Droge“ wird hier in seiner pharmazeutischen Wortbedeutung – durch Trocknung haltbar und verwertbar gemachte heilkräftige Pflanzen – verwendet.

    Das besondere an der TCM ist, dass sie schon vor der westlichen Schulmedizin eingreift: durch die sensorischen Diagnosen der TCM lassen sich Krankheiten schon vor dem Auftreten von strukturellen Abweichungen im Körper erkennen. Die TCM zeichnet sich also durch ihren prophylaktischen und ganzheitlichen Ansatz aus, sie setzt auf die körpereigene, natürliche Heilkraft, und bedient sich einer funktionellen und neutralen Diagnostik. Sie beruht auf Beobachtung und Erfahrung. Die wichtigste philosophische Grundlage der TCM ist der Daoismus und besonders das Prinzip des Yin und Yangs, polar einander entgegengesetzte und dennoch aufeinander bezogene, voneinander abhängige Kräfte oder Prinzipien. Dr. Zhong beschrieb die Konstruktion des Lebens nach den Prinzipien der TCM mit 3 Begriffen:

    Jing 精, die sichtbare und geformte Masse

    Qi 气, die unsichtbaren, fließenden und elementaren Teilchen des Universums

    Shen 神, der Geist oder die Persönlichkeit des Menschen

    Der Mensch stellt also einen dynamischen Mikrokosmos dar, der dem Makrokosmos entspricht und mit diesem in einem ständigen Stoff-, Energie- und Informationsaustausch steht. Krankheiten sind Entgleisungsmuster, die den Stoff-, Energie-und Informationsfluss stören.

    Die therapeutischen Ansätze der TCM sind Strategien, mit denen man das Gleichgewicht wiederherstellen kann, ganz getreu dem Motto des Vortrags „regulieren, aber nicht manipulieren“. Die TCM bekämpft also weniger die Symptome, sondern die Wurzel der Krankheit. TCM-Therapien lassen sich in vier Bereiche aufteilen: Phytotherapie (Pflanzenheilkunde), Akupunktur, Physiotherapie wie beispielsweise Qigong und eine spezielle Diät. Während bei uns in Deutschland Akupunktur die vielleicht am weitesten bekannteste Therapie ist, hat eigentlich die Phytotherapie den mit Abstand höchsten Anteil an den vier Therapiemethoden (80%). Dass gerade die Therapie mit chinesischen Heilkräutern im Westen noch nicht so weitläufig verbreitet ist, liegt häufig an mangelndem Vertrauen und Wissen über die richtige Anwendung. Deutschlandweit gibt es nur ca. 200 Apotheken, die speziell ausgebildet sind, Rezepturen der TCM zu mischen. Die Drogen der TCM lassen sich in pflanzliche (es gibt 11.146 Sorten!), tierische und mineralische Arzneidrogen kategorisieren. Ihre Wirkungsweise wird charakterisiert durch ihr Temperaturverhalten, die Geschmacksrichtung, die Wirkungsdynamik und die Toxizität. Prinzipiell gilt der Leitspruch „Alle Drogen sind Gifte! Die Dosis macht das Gift!“ Für die richtige Dosierung von Heilpflanzen ist die Expertise über die richtige Anwendung also unerlässlich. Zum Abschluss zeigte Dr. Zhong noch einige Fotos aus seinem Unternehmen HerbaSinica Hilsdorf GmbH, das einzige deutsche Unternehmen der Branche mit eigenen Anbauflächen in China. Die zahlreich erschienenen Gäste stellten interessiert noch viele Fragen. Zur Begeisterung der Besucher konnten sie am Ende von einer anwesenden TCM-Ärztin am eigenen Leib erfahren, wie die Puls- und Zungendiagnostik funktioniert.   

    Dr. rer. nat. Wenjun Zhong ist Diplom-Geoökologe und Geschäftsführer der HerbaSinica Hilsdorf GmbH in Rednitzhembach, einer der führenden Anbieter chinesischer Heilkräuter in Deutschland. Er studierte Nutzpflanzenbau an der Central South Forestry University in China. Im Anschluss folgte von 1986 bis 1994 das Studium der Agrarökologie an der Universität Bayreuth, das er mit der Promotion in Pflanzenphysiologie abschloss. 1996 gründete er die HerbaSinica Hilsdorf GmbH. Seit Dezember 2007 ist Dr. Zhong Mitglied des Ausschusses Pharmazeutische Biologie der Deutschen Arzneibuch-Kommission und seit Mai 2016 Mitglied im DIN Normenausschuss NA 159-03-02 AA "Traditionelle Chinesische Medizin".

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