• 中文
  • 02.06.2017 - 12.06.2017 ganztägig

    Auf der alten Seidenstraße

    Delegationsreise des Konfuzius-Instituts Nürnberg-Erlangen in den Nordwesten Chinas

    Anlässlich der Initiative „One Belt, One Road“, auch bekannt als „Neue Seidenstraße-Initiative“, ein Projekt mit dem die chinesische Regierung seit 2013 den Aufbau eines interkontinentalen Infrastruktur-Netzes zwischen Europa, Afrika und Asien vorantreibt, begab sich die diesjährige Delegationsreise des Konfuzius-Instituts Nürnberg-Erlangen vom 2. bis 12. Juni 2017 auf die Spuren der alten Handelsrouten, auf welchen über Jahrhunderte hinweg Güter und Ideen zwischen Ost und West ausgetauscht wurden.
    Dies ist nach den Reisen in den Jahren 2009, 2011 und 2014 bereits die vierte Delegationsreise des Instituts nach China. Die Reise 2017 steht unter einem aktuellen und politisch hochbrisanten Motto. Denn „One Belt, One Road“ zählt im Moment zu einem der ambitioniertesten und größten Projekte der chinesischen Regierung. Dass Verantwortliche aus der Metropolregion Nürnberg aus den Bereichen Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Kultur sich vor Ort selbst ein Bild machen und in Dialog mit chinesischen Entscheidungsträgern treten konnten, macht ein sonst abstraktes Großprojekt, das die Delegationsmitglieder bisher nur aus Medienberichten kannten, greifbar.   

    Unter der Leitung des Altpräsidenten der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg und Ehrenvorstand des Konfuzius-Instituts Nürnberg-Erlangen, Prof. Dr. Karl-Dieter Grüske, und der Direktorin des Konfuzius-Instituts Frau Dr. Yan Xu-Lackner machten sich 22 hochkarätige Vertreter aus Wirtschaft, Politik, Kultur und Wissenschaft auf die Reise nach China. Die Route entlang der Seidenstraße führte durch die Städte Yinchuan, Jiayuguan, Dunhuang und Ürümqi, wobei die Delegation jeweils von den lokalen Regierungsvertretern herzlich aufgenommen wurde. Der rote Faden der Reise war eine Diskussionsreihe zum Thema „Seidenstraße“, welche an fast jeder der Stationen mit örtlichen Vertretern aus Regierung, Wirtschaft, Kultur und Wissenschaft stattfand.

    Die erste Station war die Hauptstadt der Autonomen Region Ningxias, Yinchuan. Dort besuchten die Reisenden das Museum von Ningxia, um eine Einführung in die Geschichte der Stadt, die Geschichte Nordwest-Chinas und der Seidenstraße zu erhalten. In den folgenden Tagen stand der Besuch von Yinchuans historischen Stätten auf dem Plan, eine Einführung in Yinchuans Industrie 4.0, Gespräche mit der Universität vor Ort sowie das erste Diskussionsforum mit lokalen Regierungsvertretern. Ein erstes großes Highlight war sicher der Festempfang, den die Autonome Region Ningxia ­– ähnlich der Ebene eines Bundeslandes in Deutschland – für die Delegation ausrichtete. Zwei ganze Lämmer wurden mit großem Zeremoniell aufgetischt und die Nürnberger erhielten durch die Tanz- und Sangeskünste der Gastgeber einen tiefen Einblick in die Kultur der Region. Mit einer eigenen Gesangseinlage konnte sich die Delegation im Anschluss gleich revanchieren.

    Wie auch Franken für seinen Wein bekannt ist, so ist Ningxia eines der wichtigsten Weinanbaugebiete in China. Beim Besuch von chinesischen Weingütern fühlten sich die Reisenden daher gleich wie zu Hause. Im Rahmen der Besichtigung der Universität von Ningxia fand ein weiteres Diskussionsforum mit der Universitätsleitung statt. Prof. Dr. Grüske sowie der Vizepräsident der Universität von Ningxia, Herr Prof. Xie – der interessanterweise in Frankfurt promoviert wurde – stellten jeweils die eigene Universität vor und es folgte ein Austausch zu Themen wie Sprachausbildung, Fortbildungen für Lehrende und Kooperationsmöglichkeiten. Besonders aufschlussreich waren für die Teilnehmer auch die Ausführungen des Vizekanzlers über den Einfluss der Initiative „One Belt, One Road“ auf die Hochschulentwicklung. Eine Bootsfahrt auf dem Gelben Fluss mit Besichtigung der Hundertacht Pagoden rundete den Aufenthalt in Yinchuan ab.

    Von Yinchuan aus ging es weiter nach Jiayuguan, genauer gesagt an den Jiayu-Pass am westlichen Ende der Chinesischen Mauer, die sich in Gansu imposant entlang der Seidenstraße windet und die die Reisenden schließlich nach Dunhuang führte. In den letzten Jahren hat Dunhuang enge freundschaftliche Beziehungen zu Deutschland entwickelt. Der Vizebürgermeister und Mitglied des ständigen Ausschusses der Stadt Dunhuang, Herr Chen Hao, empfing die Delegation und stellte die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklungen der Stadt vor. Auf dem Plan standen außerdem die Besichtigung der weltberühmten Mogao-Grotten, ein weitverzweigtes Höhlensystem das mit seinen unzähligen buddhistischen Wandmalereien und Statuen eine wahrhafte Schatzkammer des Buddhismus darstellt, sowie der Besuch von Projekten zu erneuerbarer Energie.

    Die letzte Station der Reise war Ürümqi. Während der Himmelssee im Himmelsgebirge fast ein wenig an das Alpenpanorama erinnerte, war der internationale Basar von Ürümqi, einer der größten Basare der Welt, ein orientalisches Gegenstück zu den eher beschaulichen Wochenmärkten in Franken. Zum Abschluss konnten die Delegationsteilnehmer noch Gespräche mit Vertretern der Stadt Ürümqi, dem Leiter des dortigen Religionsamts, dem Leiter des Autonomen Gebiets Xinjiang, sowie Vertretern der Universität Xinjiang und der Xinjiang Normal University führen. Sie erfuhren interessante Fakten, wie die Tatsache, dass es allein in Ürümqi acht Unternehmen aus dem Bereich der traditionellen chinesischen Medizin gibt, und dass dort neben der „normalen“ TCM auch die mongolische Medizin, die uigurische Medizin sowie die kasachische Medizin gelehrt werden.

    So ging es also mit vielen neuen Informationen, interessanten Eindrücken aus einem ganz anderen China als es die meisten kennen, und Ideen für zukünftige Kooperationen mit China wieder zurück in die Heimat. Dass gerade Nürnberg das neue Ende der Seidenstraße sei, eröffnete übrigens erst vor kurzem der chinesische Vizepremier Ma Kai dem bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer bei dessen Besuch in Peking. Mit dem Zug von Zentralchina nach Deutschland, Endstation Nürnberg – vielleicht wird diese Vision eines Tages Wirklichkeit.

    Gefördert durch: